Veranstaltungen

19.05.2022: Übertragung #01 – Kino und Fotogrammetrie

Übertragung

Ute Holl (Basel)
Vortrag mit anschliessendem Screening
Bilderkrieg, BRD 1987, Harun Farocki

19. Mai 2022, 18:00 Uhr

Filmpodium
Nüschelerstrasse 11
8001 Zürich

Übertragung heißt eine Videoarbeit Harun Farockis, die seit 2007 am Limmatplatz zu sehen ist. Die Veranstaltungsreihe des Farocki Forums greift den Titel auf und lädt einmal pro Semester zu Vorträgen oder Gesprächen ins Filmpodium ein. Farockis Bilderkrieg (1987) ist eine vielschichtige Reflexion über die Zusammenhänge zwischen Bildtechnologien, Datafizierung und den Dialektiken der Aufklärung. Albrecht Meydenbauers Erfindung der Fotogrammetrie ab Mitte des 19. Jahrhunderts ermöglichte es, Fassaden nicht mehr vor Ort unter Einsatz des eigenen Körpers vermessen zu müssen, sondern in sicherer Distanz mittels Fotografien. Eine folgenreiche Episode in der langen Geschichte der fortschreitenden Trennung von Auge und Blick.

In ihrem Vortrag skizziert Ute Holl die Geschichte der Fotogrammetrie als Vorgeschichte gegenwärtiger Verrechnungen der Welt zu virtuellen Daten-Umgebungen. Was Harun Farocki in verschiedenen seiner Filme als «operative Bilder» (Bilder, die handeln, Bilder als Interfaces) untersucht hat, verdichtet sich zu einem «Metaverse». Dort lernen wir, uns zu verhalten: im Sozialen, in der Produktion, der Unterhaltungsindustrie. Künftige Kulturtechniken werden ohne die Fertigkeit, in diesen Umgebungen schnell und gezielt zu operieren, nicht mehr zu bewältigen sein. Aufgrund seiner Anschaulichkeit, aber auch aufgrund des ökologisch bedenklichen Energieverbrauchs unseres Datenverkehrs tritt das virtuelle Universum in ernstzunehmende Konkurrenz zu älteren kulturellen oder natürlichen Umwelten. Was tun? Was nicht?

05.05.2022: Screening – Zum Vergleich

Screening mit anschliessendem Gespräch

Zum Vergleich, D 2009, Harun Farocki

5. Mai 2022, 19:00 Uhr

Völkerkundemuseum
Pelikanstrasse 40
8001 Zürich
Raum: Hörsaal, PEA

Das Interesse für Ethnologie durchzieht Harun Farockis Filme. Besonders deutlich kommt es in Zum Vergleich zum Ausdruck. Der Film besteht aus präzisen, unkommentierten Beobachtungen der Ziegelproduktion in verschiedenen Ländern der Erde. Das Spektrum reicht von handwerklichen Methoden in Burkina Faso oder Indien über die industrielle Fertigung in Mitteleuropa bis hin zu digitalen Entwurfsprozessen von Fassaden an der ETH Zürich. «Meine Montage soll die drei gänzlich verschiedenen Arbeitsweisen vergleichen und in der Ähnlichkeit das Verschiedene entdecken. Weltzusammenhang ohne Totalisierung», schreibt Farocki in einem ersten Exposé 2003.

Im Anschluss an den Film diskutieren Mareile Flitsch, Direktorin Völkerkundemuseum UZH, und Volker Pantenburg, Professor für Filmwissenschaft an der Universität Zürich. Dabei loten sie Schnittmengen und Unterschiede zwischen ethnographischer Forschung und dokumentarischen Filmpraktiken aus.

Eine gemeinsame Veranstaltung des Völkerkundemuseums und des Farocki Forums am Seminar für Filmwissenschaft der UZH. Zum Vergleich wird als 16-mm-Kopie gezeigt. Francis Kéré, der Architekt der im Film porträtierten Gando Grundschule in Burkino Faso, wurde jüngst mit dem renommierten Pritzker-Architekturpreis ausgezeichnet.

Platzzahl begrenzt, Anmeldung Tel: 044 634 90 11 oder E-Mail.

Weitere Informationen finden sich auf der Website des Völkerkundemuseums.