44. Solothurner Filmtage (19. – 25.01.2009)

Eine Veranstaltung des Seminars für Filmwissenschaft der Universität Zürich in Zusammenarbeit mit den Solothurner Filmtagen.

Das Drehbuch – eine Geschichte für sich!

In dieser Gesprächsrunde, die in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Cinema CH organisiert wird, sprechen Akteure aus verschiedenen Bereichen der Schweizer Filmbranche über den Raum, den man Drehbüchern bei Dokumentar- und Spielfilmen einräumen soll. Sie diskutieren über Regeln und Freiheiten, die das Schreiben des Drehbuchs beeinflussen, über etwaige Eigenheiten und Erwartungen des Schweizer Publikums, über die Ausbildung an den Filmschulen, über staatliche Subventionen, usw. Wie kann man diese Etappe der Filmproduktion erfassen, jenseits von Hollywoods Filmindustrie, die das Drehbuch richtiggehend mystifiziert hat, und jenseits der Masse an Abhandlungen zu diesem Problem (von didaktischen Leitfäden bis zu allgemeinen Erzähltheorien)? Nach welchen Kriterien soll man diese provisorische Arbeit in Angriff nehmen, die meist zur Analyse der Machbarkeit des gesamten Films dient? Stimmt es, dass sich in der Schweiz in der letzten Zeit die «Ideologie des Drehbuchs» zur «Besessenheit gewandelt hat», wie dies Alain Tanner in seinem neuen Werk Ciné-mélanges erklärt? In dieser Debatte soll die Ideologie nicht neu begründet werden, aber sie soll aus unterschiedlichen Blickwinkeln in ihrer Bedeutung hinterfragt werden.

TeilnehmerInnen: Nicolas Bideau (Leiter Sektion Film, BAK), Marianne Brun (Drehbuchautorin, Coach), Stefan Haupt (Regisseur), Daniel Howald (Drehbuchautor), Vincent Pluss (Regisseur).

Moderation: Alain Boillat, Geschäftsleiter «Netzwerk Cinema CH»

Dienstag 20.01.2009, 16:00–17:30 Uhr, Stadttheater Solothurn

Der Schweizer Film und die Stadt – Szenen einer Ehe

Ein Blick auf die Geschichte des internationalen Films zeigt, dass die Stadt seit jeher eines der beliebtesten Objekte der Filmkamera war. Für die Schweiz scheint das nicht zu gelten: Zwar werden die meisten Schweizer Filme in Städten geschrieben, gefördert und produziert. Doch nur wenige spielen in der Stadt. Und noch weniger inszenieren ihren urbanen Schauplatz so, dass er mehr ist als ein austauschbarer Hintergrund oder ein Ort nostalgischer Sehnsucht. Worauf ist diese eigenartige Tendenz zur Stadtflucht zurückzuführen? Welche Rolle spielt dabei das Klischee der ländlichen Schweiz, das scheinbar ohne Ermüdungserscheinungen als Gegenpol zur urbanen Schweiz inszeniert wird? Womit hat es zu tun, dass ein Bern-Film wie Mein Name ist Eugen schweizweit erfolgreich gespielt wird, Zürich-Filme wie Strähl oder Snow White dagegen nur in Zürich gut liefen? Welchen Stellenwert hat in dieser Frage die nationale Hassliebe zur Limmatstadt, dem faktischen Filmzentrum des Landes? Und warum werden sowohl im Spiel- als auch im Dokumentarfilm auffällig viele Projekte gefördert, deren Schauplatz nicht die Stadt ist? Das Filmjahrbuch CINEMA beschäftigt sich in seiner neuesten Ausgabe mit dem Thema «Stadt» und diskutiert mit Schweizer Filmschaffenden über das prekäre Verhältnis zwischen dem hiesigen Film und der Stadt, zwei Partnern, die anscheinend nicht mit-, aber auch nicht ohne einander können.

TeilnehmerInnen: Bea Cuttat (Verleiherin, Look Now), Marcy Goldberg (Filmwissenschaftlerin), Veronika Grob (Redaktorin Film und Serien, Schweizer Fernsehen), Christoph Schaub (Regisseur), Andreas Berger (Regisseur).

Moderation: Julia Zutavern, Seminar für Filmwissenschaft, Universität Zürich.

Freitag 23.01.2009, 16:00–17:30 Uhr, Stadttheater Solothurn

Neue Schweizer Filmpublikationen

Autoren und Herausgeber präsentieren ihre neuen Bücher und geben Einblick in die aktuelle Erforschung der nationalen und internationalen Film- und Kinogeschichte in der Schweiz. Moderation: Barbara Flückiger, Seminar für Filmwissenschaft, Universität Zürich.

Folgende Bücher werden vorgestellt:

Alain Boillat, Philipp Brunner, Barbara Flückiger (Hg.): KINO CH / CINÉMA CH. Rezeption, Ästhetik, Geschichte / Réception, esthétique, histoire. Marburg: Schüren, 2008. 320 S. 

Mit rund zwanzig Beiträgen ist dieses Buch zugleich Panorama und Bilanz aktueller filmwissenschaftlicher Forschung über das einheimische Kino. Filme aus Vergangenheit und Gegenwart werden sowohl in narrativer als auch ästhetischer Hinsicht untersucht, sowohl in Produktions- als auch Rezeptionskontexte gestellt: Die Bandbreite reicht von den Spielfilmen eines Alain Tanner, Thomas Imbach oder Lionel Baier zu Dokumentarfilmen wie «Katzenball» oder «Nicolas Bouvier, 22 Hospital Street», vom politischen Film zum Tanzvideo (Magnin/Bourgeaud), vom Auftrags- über den Lehr- zum Experimentalfilm (Fischli/Weiss).

Hervé Dumont, Maria Tortajada (Hg.): Histoire du cinéma suisse 1966-2000. Lausanne 2007. 2 Bände, 1600 S. Dieses Buch umfasst die Produktionsjahre 1966 bis 2000 in der Schweiz.

Das Werk enthält eingehende Kommentare zu insgesamt 1220 Titeln. Darunter finden sich selbstverständlich die Filme von so namhaften Autoren wie Alain Tanner, Michel Soutter, Claude Goretta, Daniel Schmid, Markus Imhoof oder Fredi M. Murer. Daneben sind aber zahlreiche weitere Produktionen erfasst, Spielfilme, Dokumentarfilme, reines Kommerzkino oder von Filmemachern realisierte Fernseharbeiten von über 50 Minuten Länge.

Thomas Christen, Robert Blanchet (Hg.): New Hollywood bis Dogma 95: Einführung in die Filmgeschichte, Band 3, Marburg: Schüren, 2008, 517 S.

Anhand ausgewählter Gebiete vermittelt die Publikation einen anschaulichen und kompakten Überblick über die wichtigsten Filmströmungen und Entwicklungen der letzten vierzig Jahre. Unter anderem mit einem Text zum Neuen Schweizer Film in der angesprochenen Zeitspanne.

Barbara Flückiger: Visual Effects. Filmbilder aus dem Computer. Marburg: Schüren, 2008, 528 S. (Zürcher Filmstudien 18)

Das Buch vermittelt Einblick in sämtliche Stadien der Entstehung computergenerierter Szenen: Modellieren, Materialisieren, Animation, Beleuchtung, Rendern und Compositing. Die Autorin untersucht den historischen Verlauf der Innovation und diskutiert die Differenz zu herkömmlichen Methoden der Bildgestaltung.

Freitag 23.01.2009, 12:00–13:00 Uhr, Stadttheater Solothurn