Publikationen

Aktuelle Neuerscheinungen


Sandra Frimmel, Fabienne Liptay, Dorota Sajewska, Sylvia Sasse (Hg.): Artur Żmijewski. Kunst als Alibi. Zürich/Berlin: diaphanes, 2017.

kunst als alibi

Kunst als Alibi – damit ist eine Strategie des polnischen Videokünstlers Artur Żmijewski benannt. In seinen Arbeiten rehabilitiert Żmijewski die Idee der Wirkung von Kunst auf die Gesellschaft als Konzept autonomer Kunstproduktion. Dabei verzichtet er radikal auf eine Ästhetisierung der Wirklichkeit. Kunst ist für ihn vielmehr ein »Werkzeug«, ein »Mechanismus« und manchmal auch nur das »Alibi«, um politisch in die Welt eingreifen zu können. Er arbeitet mit MuseumsdirektorInnen, mit Frauen im Gefängnis, mit KünstlerInnen, AktivistInnen und PolitikerInnen.
Der vorliegende Band versammelt ausgewählte Essays, Gespräche und Bilder ­Żmijewskis, die die Idee der künstlerischen Praxis, die er selbst auch »Angewandte Gesellschaftskunst« nennt, vorstellen und diskutieren.
 

Kristina Köhler: Der tänzerische Film. Frühe Filmkultur und moderner Tanz. Marburg: Schüren, 2017. (Zürcher Filmstudien 38)

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Schon um 1900 beschrieben Besucher von Filmvorführungen das Flackern auf der Leinwand als «Tanz der Bilder». Die Idee, dass Filme Tanz nicht nur aufzeichnen, sondern selbst tänzerische Bewegungseffekte freisetzen – etwa durch die Gestaltung der Kamerabewegung oder Montage, kursiert seither in der Filmtheorie. Der Band untersucht die Denkfigur vom tänzerischen Film und zeichnet ihr Entstehen im Kontext der intermedialen Geschichte von früher Filmkultur und modernem Tanz zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach. 
Erarbeitet wird ein Theorie- und Analysemodell, das danach fragt, unter welchen ästhetischen, gesellschaftlichen und kulturellen Voraussetzungen Filme als «Tanz» erfahrbar werden. Aus dieser Perspektive wird die Geschichte des tänzerischen Films an einer Fülle von bislang kaum beachteten historischen Materialien – Filme, Filmtheorien, Aufführungspraktiken – entfaltet. Das Spektrum reicht von den Tanz- und Trickszenen des frühen Kinos über wissenschaftliche Bewegungsstudien, Tanz- und Kulturfilme, Filmkomödien und Melodramen der 1910er Jahre bis hin zu den ‹absoluten› Experimentalfilmen der 1920er und 1930er Jahre. Erstmals in den Blick genommen werden auch die Reaktionen moderner Tänzer, Choreographen und Tanztheoretiker wie Isadora Duncan, Rudolf von Laban und Mary Wigman auf den Film.

 

Jörg Schweinitz, Margrit Tröhler (Hg.): Die Zeit des Bildes ist angebrochen!
Französische Intellektuelle, Künstler und Filmkritiker über das Kino. 1906–1929
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Alexander Verlag Berlin: Berlin, 2016.

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Die Zeit des Bildes ist angebrochen! präsentiert – erstmals in deutscher Übersetzung – das Spektrum der Debatten französischer Poeten, Künstler, Wissenschaftler und Kritiker über das junge Kino in 60 ausgewählten Texten aus den Jahren 1906–1929. Der Band ist mehr als eine Spezialität für Filmhistoriker, denn mit dem Siegeszug des Symbolmediums der Moderne vollzogen sich tiefgehende Wandlungen in Alltagskultur, Wahrnehmung und Künsten. Populäre Serien, das Niegesehene der Mikrowelt und fremder Kontinente sowie die neue fluide, teils avantgardistische Ästhetik der Filme riefen nach Debatte und Affirmation. Musik, Farbe, Rhythmus: Photogénie! Ein aktiver Streiter war Jean Epstein, dessen Sammlung Bonjour cinéma (1921) in Die Zeit des Bildes ist angebrochen! zum ersten Mal in deutscher Sprache komplett mit allen Beiträgen, Gedichten und Grafiken erscheint. (Webseite zum Buch)

Fabienne Liptay: Telling Images. Studien zur Bildlichkeit des Films. Zürich/Berlin: diaphanes, 2016.

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In der Filmbetrachtung sind die Bilder dem Blick zunächst gegeben, bevor sie zu erzählen beginnen. Im blinden Fleck dieses Blicks liegt das, was den Bildern erst durch Erzählungen hinzugedacht wird. Filme gestalten Geschichten mit den ihnen gegebenen visuellen Ausdrucksmöglichkeiten, sie generieren aber auch Bildvorstellungen, die narrativ entwickelt werden. Diese Vorstellungen erlauben Rückschlüsse auf ästhetische und technische, soziale und politische Aspekte der Wahrnehmung und Verwendung von Bildern.

Die in diesem Buch versammelten Studien entlang der Werke bekannter Regisseure wie Michael Haneke, Krzysztof Kieślowski, Jim Jarmusch, Wim Wenders oder Ari Folman eröffnen ungewohnte Perspektiven auf das Verhältnis, das Bilder und Erzählungen im Film unterhalten.
 

Daniel Wiegand: Gebannte Bewegung. Tableaux vivants und früher Film in der Kultur der Moderne. Marburg: Schüren, 2016. (Zürcher Filmstudien 36)

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Als Tableaux vivants oder ‹lebende Bilder› bezeichnet man von lebenden Personen nachgestellte Gemälde oder Skulpturen. Um 1900 erfreute sich diese eigenartige Form der Schaustellung unter anderem auf den Bühnen der großen Varietétheater, auf Volksfesten und bei Vereinsabenden großer Beliebtheit. Der vorliegende Band zeigt, dass Tableaux vivants als wesentlicher Bestandteil der visuellen Kultur dieser Jahre auch einen Bezugsrahmen für die Entstehung des neuen Massenmediums Film bildeten. Dabei werden diverse intermediale Konstellationen in den Blick genommen: gemeinsame Aufführungskontexte und Publikumsschichten, aber auch Filme, die bewusst auf Inszenierungsweisen der älteren Unterhaltungsform zurückgriffen.
Der Band präsentiert eine Fülle an historischem Material zu Tableaux-vivants-Aufführungen um 1900 und analysiert zugleich zahlreiche Filme aus dem internationalen Kino der Attraktionen bis 1914, u.a. die magischen Trickfilme von Georges Méliès und Segundo de Chomón, frühe Filmburlesken von Pathé und Gaumont sowie Aufnahmen populärer Varieténummern. Er leistet zudem eine eingehende Auseinandersetzung mit der frühen Filmtheorie der Jahre um 1910.

 

Thomas Christen (Hg.): Vom Neorealismus bis zu den Neuen Wellen: filmische Erneuerungsbewegungen 1945-1968. Einführung in die Filmgeschichte, Band 2. Marburg: Schüren, 2016.

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Der Band analysiert verschiedene Phasen der Erneuerung und des Aufbruchs im Kino nach den Erschütterungen durch den 2. Weltkrieg. Die wichtigsten Strömungen am Ende der vierziger Jahre bilden dabei der Film Noir sowie der italienische Neorealismus und als wenig geglückter Versuch der deutsche Trümmerfilm. In den späten vierziger und fünfziger Jahren sieht sich der Hollywoodfilm im Kampf gegen das Fernsehen vielerlei Herausforderungen gegenüber, denen er technologisch (Farbe, Breitwand) und anderweitig (z.B. durch Starkult) zu begegnen weiß. Ende der Fünfzigerjahre kommt es sowohl in West-, aber auch in Osteuropa, in Nord- und Lateinamerika zu einer zweiten, noch folgenreicheren Reihe von Erneuerungs-bewegungen, die unter dem Namen Neue Wellen zusammengefasst werden. In Westeuropa sind dies die französische Nouvelle Vague, das britische Free Cinema und die British New Wave sowie der Junge Deutsche Film, der Papas Kino für tot erklärte. Auch im osteuropäischen Kino entstehen vielerlei Ableger der Neuen Wellen, auch wenn sie vielfach gegen Zensurmaßnahmen zu kämpfen. Der Italowestern sowie die britisch/amerikanische Erfolgsserie James Bond eröffnen Perspektiven auf das Mainstreamkino in den Sechzigerjahren. Den Abschluss bildet schließlich ein Blick nach Übersee: das New American Cinema, die japanische Nuberu bagu sowie das brasilianischen Cinema nôvo.
Filmbeispiele, ausführliche Biblio- und Filmografien (mit DVD-Nachweis) runden die achtzehn Kapitel ab.

Julia Zutavern: Politik des Bewegungsfilms. Marburg: Schüren, 2015. (Zürcher Filmstudien 34)

Bewegungsfilme mischen sich in politische Debatten ein. Sie werden als Ausdruck, Sprachrohr, Instrument oder Legitimation einer sozialen Bewegung wahrgenommen und können zur Verbreitung, aber auch zur Spaltung dieser Bewegung beitragen. Die Interpretationen und Reaktionen, zu denen sie führen, sind oft nur vor dem Hintergrund zeitgenössischer Auseinandersetzungen und der daraus resultierenden Befindlichkeiten und Erwartungen zu verstehen.
Der Band untersucht die spezifischen Formen und Wirkungen von Bewegungsfilmen aus historisch-pragmatischer Perspektive. Die Autorin zeigt an fiktionalen und dokumentarischen Beispielen aus Deutschland und der Schweiz (von 1965 bis 1995) und einer Fülle von bislang kaum beachteten Produktions- und Rezeptionsdokumenten, unter welchen ästhetischen, gesellschaftlichen und kulturellen Voraussetzungen Filme und Videos politisch aufgefasst und wirksam werden. Berücksichtigt sind Arbeiten aus dem Kontext der 68er-Proteste und der Neuen Sozialen Bewegungen, u.a. Chicorée, Krawall, Brecht die Macht der Manipulateure, Ruhestörung, ReduPers, Grauzone, Züri brännt und Passt bloss auf.

Franziska Heller: Alfred Hitchcock. Einführung in seine Filme und Filmästhetik. Paderborn/München: Wilhelm Fink Verlag, 2015. (Reihe «directed by»)

«Alfred Hitchcock dominiert die Filmgeschichte wie Napoleon: Unbeirrbar, enigmatisch und schonungslos sich selbst vermarktend.» (Bryony Dixon/British Film Institute 2012)
Der Name «Alfred Hitchcock» steht für ein außergewöhnliches Gesamtkunstwerk: Filme wie The 39 Steps, Rear Window, Vertigo, Psycho oder The Birds sind als Klassiker in das kollektive kulturelle Gedächtnis eingeschrieben. Zugleich hat Hitchcock sich selbst als unverwechselbare Ikone inszeniert; ein Star, der mit viel Ironie und schwarzem Humor seine filmischen Welten (an)moderiert und orchestriert. Es gibt wohl keinen anderen Filmregisseur, über den so viel geschrieben worden ist. Auf der Basis neuester Forschung bietet Franziska Heller eine Relektüre in Form exemplarischer Filmanalysen. Sie wirft überdies einen genauen Blick auf die mediale Rezeption der Filme. Welche Bedeutung haben Spielfilme (Biopics), Remakes, Sequels, Parodien wie auch Praxen der Filmrestaurierung und der digitalen Distribution für unsere Wahrnehmung von Hitchcock und seinen Filmen heute?
Weitere Informationen und Leseprobe

Christine N. Brinckmann: Farbe, Licht, Empathie. Schriften zum Film 2. Marburg: Schüren, 2014. (Zürcher Filmstudien 31)

Farbe, Licht, Empathie – drei zentrale Bereiche filmwissenschaftlicher Forschung, denen sich dieser Band widmet.
Als formale Elemente sorgen Farbe und Licht nicht allein für den Look eines Films, sondern heben hervor, trennen Wichtiges von Akzidentellem, stellen Verbindungen her und fungieren als Motive. Sie schaffen subtil Atmosphären, setzen Akzente, gliedern die Komposition und erzeugen Bildspannung. Nicht zuletzt verdankt sich die Einfühlung in den Film diesen vermeintlich selbstverständlichen Mitteln. Empathie – das zeigen die Analysen von Spiel-, Dokumentar- und Tierfilm – ist die Schnittstelle zwischen dem Film und seinem Zuschauer, Grundlage unserer Gefühle im Kino.