Forschungskolloquium

Herbstsemester 2020

Die Vorträge im Rahmen des Forschungskolloquiums finden im Herbstsemester online via Zoom statt (die Zugangsdaten werden jeweils vorgängig kommuniziert).


Die Programme des Forschungskolloquiums aus den vergangenen Semestern finden Sie im Archiv.

Termin      ReferentInnen
7. Oktober     

Anja Wächter (LMU München)
Skulptur in neuem Licht. Bildhauerei in Fotografie und Film der Weimarer Republik

In der Weimarer Republik wimmelt es von Skulpturen. Die historischen Ausgangsbedingungen lassen zunächst anderes vermuten, denn 1918 ist Deutschland vom Ersten Weltkrieg gebeutelt. Materialien zum bildhauerischen Arbeiten wie Bronze oder Marmor sind nicht verfügbar. Allerdings erlebt das Abbilden von Skulptur in der jungen Republik eine Blüte: Die Medienexpansion der Weimarer Zeit führt zu einer weitläufigen Verbreitung von Skulpturreproduktionen in Fotografie und Film. So entsteht eine neue Sichtbarkeit von Skulptur außerhalb des musealen Ausstellungsraums, die die Wahrnehmung des Mediums nachhaltig prägt. Die resultierenden Bildformen wirken auf das Medium zurück und öffnen den traditionellen Skulpturbegriff hin zu modernen Modi des Sehens. Der Vortrag stellt das kunsthistorische Promotionsprojekt Skulptur in neuem Licht. Bildhauerei in Fotografie und Film der Weimarer Republik vor und konzentriert sich dabei auf zentrale Thesen zu Medienwechsel und Medienentgrenzung von Skulptur, Fotografie und Film.

 

28. Oktober

Dr. Laura Niebling (Universität Regensburg)
Eine Archäologie des ärztlichen Klicks? Die Digitalisierung der deutschen Medizin, 1970-2010

Die Digitalisierung betrifft zunehmend alle Lebens- und Arbeitsbereiche. Sie findet ihre Formen auch in einem Berufsfeld wie der Medizin, in dem vieles noch immer über den persönlichen, haptischen Kontakt zwischen ÄrztInnen und PatientInnen organisiert ist. Seit den 1970er-Jahren werden für die Speicherung, Bearbeitung und Übermittlung von medizinischen Daten zunehmend Begriffe wie „Telemedizin“ und „Telematik“ verwendet, die auf komplexe Weise in die ärztliche Arbeit, die Entwicklung des Gesundheitssystems und die Genese der modernen Medizin eingebunden sind. Der Vortrag gibt einen Einblick in die Geschichte der medizinischen Digitalisierung in Deutschland und stellt das dazugehörige Forschungsprojekt vor, das versucht diese Entwicklung medienhistorisch aufzuarbeiten.

 

25. November

Dr. Jelena Rakin (Universität Zürich)
Bildwerdung des Kosmos. Astronomische Aufnahmen vom Paris des 19. bis zum Pasadena des 21. Jahrhunderts

 

9. Dezember

Prof. Dr. Oliver Fahle (Ruhr-Universität Bochum)
Tiere filmen. Überlegungen zur Theorie des Dokumentarfilms

Dokumentieren ist in den letzten Jahren zum Thema verschiedener Disziplinen geworden (neben der Medienwissenschaft etwa auch in der Literatur- und Kunstwissenschaft). Das Dokumentarische ist zudem durch neue Produktions- Zirkulations- und Aneignungsweisen der pattformbasierten Medien in Bewegung geraten und hat im Bereich des Audiovisuellen eigene Dynamiken einer Performanz der Vielen entwickelt, die aus Sicht des Dokumentarfilms als Zustand des Post-Dokumentarischen bezeichnet werden können. Das Kolloquium wird aus filmwissenschaftlicher Sicht die Frage, wie sich eine Theorie des Dokumentarfilms innerhalb dieser Entwicklungen positionieren kann, stellen und diskutieren.