Forschungskolloquium

Frühjahrssemester 2019

Termin ReferentInnen

13.03.

Lektüresitzung
Filmische Zeitlichkeiten

Die Lektüresitzungen dienen der gemeinsamen Vorbereitung auf den Workshop «Filmische Zeitlichkeiten: Formate, Dispositive, mediale Räume», der im Rahmen des Doktoratsprogramms «Visuelle Dispositive. Kino, Photographie und andere Medien» anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Seminars für Filmwissenschaft im Herbst 2019 stattfinden wird. Erforscht werden die vielschichtigen und heterogenen Zeitlichkeiten des Films hinsichtlich ihrer historischen, ästhetisch-materialen und theoretischen Bedingtheiten. Dabei sollen verschiedene Aspekte filmischer Medialität in den Blick rücken, die eine eigene Zeitlichkeit des Films als Historizität kenntlich und erfahrbar machen. Gemeinsam werden im Forschungskolloquium ausgewählte Texte zu den jeweiligen thematischen Sektionen des Workshops diskutiert.

   

20.03.

Lektüresitzung
Filmische Zeitlichkeiten

Siehe Abstract oben.

   

10.04.

Carla Engler (Universität Zürich)
Fabricated Standards. Textile und filmische Formatierungspraktiken

Das Dissertationsprojekt untersucht zeitgenössische Künstlerpositionen, die sich innerhalb der medialen Konstellation von Film und Textilien mit Formatierungsprozessen im industriellen und postindustriellen Zeitalter sowie mit Praktiken der Standardisierung, Normierung und Skalierung im Kontext von Handelsbeziehungen auseinandersetzen. Von besonderem Interesse sind dabei die soziokulturellen Implikationen solcher Formatierungen, die den Textilien als Material kultureller Identitäten und dem Film als Instrument der Vermessung und Verbreitung entsprechender Weltentwürfe und Wissensordnungen zugrunde liegen.

Laura Walde (Universität Zürich)
Der Kurzfilm als kleines Format

Ausgehend von der begrenzten Länge des Kurzfilms, seiner Marginalisierung im filmtheoretischen Diskurs und seiner Zirkulation in verschiedenen institutionellen Kontexten gehe ich der Frage nach, welche spezifischen Formate und Formen der Präsentation der Kurzfilm annehmen kann. Als Einzelwerk betrachtet definiert sich der Kurzfilm in erster Linie durch seine Kürze oder die Nichteinhaltung der normativen Dauer des abendfüllenden Kinoformats. Als eine Art von Unterschreitung oder «Mangel» («shortage») verstanden, kann diese Kürze als produktive Geste verstanden werden. Die zentralen Fragen sind, wie das Kurzfilmformat zu verschiedenen Zeiten sein Potenzial als «kleines» Filmformat realisiert hat und wie seine Popularität eng mit den kleinen, oft stark komprimierten Datenmengen oder Materialanforderungen sowie den kurzen Betrachtungszeiten des Formats verbunden ist, die eine größere Freiheit im Bezug auf die Verbreitung, das Teilen und die Kombinationsmöglichkeiten in einem breiten Spektrum von Auswertungskanälen ermöglichen.

   

08.05.

Prof. Dr. Johannes von Moltke (University of Michigan/Albert-Ludwigs-Universität Freiburg)
‹Reel Consciousness›: The Curious Humanism of Classical Film Theory

«All the arts are based on the presence of man,» writes André Bazin, «only photography derives an advantage from his absence.» The emphasis on the non-human aspects of technological media has a long tradition that dates back well before Bazin and has only been reinforced by the anti- and post-humanist strands of more contemporary media theory. By contrast, this talk proposes that film theory has always grappled with the tension between the medium’s technological underpinnings and its persistent human dimensions. Attempting to reconcile concepts drawn from aesthetic philosophy and the humanist canon of Bildung with their fascination for the tempo, techniques, and telos of the new medium, classical film theorists came to think of film as a form of «kurbelndes Bewusstsein» (Balázs) – a cyborganic amalgam of the machinic and the human. Drawing on Rudolf Arnheim, Béla Balázs, Walter Benjamin, Siegfried Kracauer, Hugo Münsterberg, and a host of other early commentators on the promise of cinema, this talk explores the non-synchronous persistence of «man» in attempts to theorize the technological medium of film during the first half of the 20th century.

Vortrag in englischer Sprache mit anschliessender Diskussion auf Deutsch.

   
22.05.

Michelle Beutler (Universität Zürich)
Die Standardisierung der Farbe im Film? Farbfilmtechnologien und -ästhetik zwischen 1930 und 1955

Im Rahmen von Prof. Dr. Barbara Flückigers Forschungsprojekt ERC Advanced Grant FilmColors widmet sich das Dissertationsprojekt der Untersuchung des Zusammenhangs von Farbfilmtechnologien und -ästhetik in der Zeitspanne von 1930 bis 1955, die sich durch eine Standardisierung im Bereich der mimetischen Farbe im Film auszeichnet. In der Tradition der historischen Poetik und mithilfe von Werkzeugen der Digital Humanities wurden dafür über 100 Farbfilme auf ihre formalen Aspekte analysiert, wobei besonderes Augenmerk den Unterschieden und Gemeinsamkeiten des mechanischen Verfahrens Technicolor Nr. IV und des chemischen Prozesses Agfacolor gilt.

Joëlle Kost (Universität Zürich)
Chromogener Mehrschichtenfarbfilm. Wechselwirkungen zwischen Materialität und Ästhetik

Ab Mitte der 1950er Jahre etablierte sich der chromogene Mehrschichtenfarbfilm als neues Standard-Farbfilmmaterial auf dem Markt. Die Entwicklungsschritte zwischen den verschiedenen Generationen zeichnen sich durch besonders feine Abstufungen aus, welche auf visueller Ebene nur schwer zu fassen sind. Dementsprechend wird im filmwissenschaftlichen Diskurs diese technische Basis wiederholt stark reduziert oder gar gänzlich ignoriert, obwohl sie die Ästhetik der Filme erheblich informiert. Genau dieses komplexe Zusammenwirken von Materialität und Ästhetik mit Fokus auf Farbe steht im Zentrum des Dissertationsprojektes.

 

Die Programme des Forschungskolloquiums aus den vergangenen Semestern finden Sie im Archiv.