Spiel mit Affinitäten. Der Film und die Künste im frühen 20. Jahrhundert, 7.–9. Juni 2018

Internationale Tagung im Rahmen des Doktoratsprogramms «Visuelle Dispositive: Kino, Photographie und andere Medien (Universität Zürich, Universität Lausanne).

Mit finanzieller Unterstützung durch: Seminar für Filmwissenschaft (Universität Zürich), Graduate Campus (Universität Zürich), Hochschulstiftung (Universität Zürich)​

 

English version see below

Aktuelles Programm

Programm Tagung

(Stand: 4.6.2018)

 

«Affinität» steht für ein Nah- und Nachbarschaftsverhältnis, für eine Vorliebe, Anziehungskraft oder Verwandtschaft – sei es zwischen Vorstellungen, ästhetischen Formen, Künsten oder Medien. In Bezug auf den Film ist der Begriff von Beginn an von einem doppelten Gestus geprägt: Insbesondere in Deutschland, Frankreich und den USA entstehen bereits im frühen zwanzigsten Jahrhundert Theorien und Manifeste, die das mediale Potenzial des Films entlang seiner Ähnlichkeiten und Unterschiede zu anderen Künsten ausloten – etwa, wenn Walter Ruttmann seine absoluten Filme als «bewegte Malerei» oder Germaine Dulac den Film als «visuelle Symphonie» beschreiben. Der Blick auf die Nachbarschaftsverhältnisse zu Malerei, Musik, Tanz und Fotografie erlaubt dabei einerseits, den Film in die medialen, ästhetischen und diskursiven Zusammenhänge seiner Zeit einzuweben und andererseits innerhalb dieser, seine medialen Besonderheiten herauszuarbeiten.
Die Ambivalenz des Denkens in «Affinitäten» verdichtet sich auf prägnante Weise in Siegfried Kracauers Theory of Film. Er macht den Begriff stark, um dem Film eine besondere Nahe zur «ungestellten Realität», zum Zufälligen und zum «Fluss des Lebens» zu attestieren. Entscheidend ist, dass man diese «inherent affinities» nicht als Zuschreibung fester, unverwechselbarer Eigenschaften fasst, sondern historisch als relationales Spiel mit Ähnlichkeiten und Differenzen zu anderen Künsten, Medien und Diskursen.

Mit der Tagung möchten wir – angeregt von Kracauers Konzept der «Affinitäten», dieses jedoch historisierend und überschreitend – vielschichtige theorie- und filmhistorische Perspektiven auf die (inter)medialen Konstellationen um den Film eröffnen. Dabei gilt es zum einen zu reflektieren, wie sich das Verhältnis des Films zur (von Kracauer exponierten) Fotografie und zu den anderen Künsten über den Begriff «Affinität» beschreiben lässt. Auf welche Weisen kann er, kritisch und historisierend betrachtet, für die Erschließung der Filmgeschichte und ihrer ästhetisch-theoretischen Nachbarschaftsverhältnisse produktiv gemacht werden?

Zum andern möchten wir «Affinität» als implizite und explizite Denkfigur der Film- und Medientheorie befragen. Dazu soll nachgezeichnet werden, wie sich die Idee im Theoriekontext des frühen 20. Jahrhunderts herausbildet, an welchen historisch markanten Momenten und in welchen Argumentationszusammenhängen sie jeweils auftritt, wo sie sich begrenzend oder fruchtbar erweist. Mit Blick auf die aktuelle Film- und Medienlandschaft interessiert uns schließlich, wie sich der Begriff zu Konzepten wie «Medienspezifik», «Transmedialität» oder «Hybridität» und zur Debatte um das «Post-Mediale» verhält. Lässt sich der aktuelle Wandel von Film und Kino, beispielsweise in der Diskussion um das Digitale, mit einem Denken in «Affinitäten» bewältigen – eher noch als über statische und normative Konzepte von «Medienspezifik»? 

Ablauf der Tagung (PDF, 29 KB)

«Affinity» signifies a close connection or kinship, a liking, attraction, or resemblance—whether between ideas, aesthetic forms, arts, or media. With respect to film, a twofold approach has informed the term from the beginning: especially in Germany, France, and the United States, theories and manifestos dating from the early 20th century explore the potential of film in light of its similarities and differences from other arts, for instance when Walter Ruttmann describes his absolute films as «painting in motion» or when Germaine Dulac calls film a «visual symphony.» On the one hand, looking at film’s kinship with painting, music, dance, and photography allows us to address film in the context of the media, aesthetics, and discourses of its time, while on the other hand letting us delineate its media-specific features within these same contexts.

The ambivalence of thinking in terms of «affinities» appears in pronounced fashion in Siegfried Kracauer’s Theory of Film. He proposes the term in order to claim film’s close connection to «unstaged reality,» to the «fortuitous,» and to the «flow of life.» The crucial point is to conceive of these «inherent affinities» not as permanent, distinctive qualities, but rather historically, as a relational interplay of similarities and differences with respect to other arts, media, and discourses.

Inspired by Kracauer’s concept of «affinities»—while also historicizing and expanding it—the conference aims at presenting multilayered historical and theoretical perspectives on film’s (inter)media constellations. How can we describe film’s relationship with photography (which Kracauer singled out) and with the other arts in terms of an «affinity?» How can we productively employ the term—in critical and historicizing ways—to explore film history in light of its aesthetic-theoretical kinships?

At the same time, our aim is to examine «affinity» as an implicit and explicit figure of thought in theories of film and media. Thus, the conference will trace the emergence of the idea in the theoretical context of the early 20th century as well as its occurrence at historically prominent moments, and discuss the discursive contexts in which the notion has proven confining or fruitful. Finally, with view to the current film and media landscape, we are interested in how the term relates to concepts such as «media specificity,» «transmedia,» and «hybridity,» and to the debate on a «post-media age.» Are the current changes in film and cinema (digitalization, for instance) better tackled by thinking in terms of «affinities,» rather than with static and normative ideas of «media specificity?»