Tagung «Post/Produktion. Bildpraktiken zwischen Film und Fotografie», 28.-29. Mai 2015

«Post/Production: Film and Photography in the Making»Seminar für Filmwissenschaft, Universität Zürich Ort: Karl Schmid-Strasse 4, KO2-F-152Zeit: jeweils von 9:00 - 18:30 Uhr

Interessierte sind herzlich willkommen! Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Ausgangspunkt der Tagung sind die miteinander verbundenen Fragen, (a) wie sich Film und Fotografie jenseits ihrer medienontologischen Definitionen über die konkreten Verfahren ihrer Produktion und Postproduktion begreifen lassen und (b) inwiefern diese Verfahren auf Austauschprozesse verweisen, die den Versuch medialer Grenzziehung nicht nur programmatisch erschweren, sondern vielmehr noch auf die Bearbeitung gemeinsamer Problemstellungen im Feld des ästhetischen Handelns verweisen. Diese Frageperspektive verdankt sich der Beobachtung einer regen künstlerischen Praxis der wechselseitigen Aneignung und Imitation von Bildpraktiken über die Grenzen medialer Produktionssphären hinweg. Ausgehend von hybriden Bildpraktiken des filmischen Fotografierens und fotografischen Filmens will die Tagung das Verhältnis zwischen den beiden Medien hinsichtlich ihrer logistischen Organisationsformen, institutionellen Bedingungen und ästhetischen Versuchsanordnungen in den Blick rücken.

Die Tagung möchte den Anlass geben, das Fotografische als Erzeugung aus der Praxis zu denken und es in den Kontext materialer, sozialer und institutioneller Relationen zu setzen. Wie vielgestaltig und historisch variabel diese Praxis ist, lässt sich nicht zuletzt am Spektrum der Diskursfiguren ablesen, in denen das Fotografische beschrieben wurde: als Schnappschuss, Automatik, Emanation des flüchtigen Augenblicks oder als Komposition, Tableau, Narrativ. Dabei ist es nicht zuletzt die Durchlässigkeit der Grenzen zwischen Kunst, Reportage, Werbung, Unterhaltung, Forschung und Alltag, die dem Begriff und der Praxis des Fotografischen im Wandel des Medien- und Kulturbetriebs Kontur verleiht. Die Frage, unter welchen Voraussetzungen Bilder als Produkte ihrer eigenen Entstehungsbedingungen erkennbar werden, fordert die im fotografischen Diskurs gängige Unterscheidung zwischen Inszenierung und Dokumentation heraus. Denn sofern man Jean-Luc Godard in der Aussage beipflichten wollte, dass inszenierte Aufnahmen immer auch als Dokumente aufzufassen seien, da sie bestimmte historische Bildpraktiken dokumentieren, so wäre umgekehrt einzuräumen, dass dokumentarische Aufnahmen immer auch Inszenierungen sind, da sie diese historischen Bildpraktiken im Prozess ihrer eigenen Entstehung unweigerlich zum Verschwinden bringen. In ihrer thematischen Ausrichtung soll die Tagung dazu einladen, die vielfältigen historischen und aktuellen Beziehungen zwischen Film und Fotografie in den Kontexten ihrer Produktion und Postproduktion zu betrachten. Dabei ist es ein Anliegen, über die Erschließung aussagekräftiger Beispiele zu überraschenden theoretischen Einsichten zu gelangen.

Als Referenten sind angekündigt: Hubertus von Amelunxen (The European Graduate School), Wolfgang Brückle (Hochschule Luzern Design und Kunst), Stefanie Diekmann (Universität Hildesheim), Burcu Dogramaci (Ludwig-Maximilians-Universität München), Sebastian Egenhofer (Universität Zürich), Oliver Fahle (Ruhr-Universität Bochum), Andreas Kreul (Karin und Uwe Hollweg Stiftung, Bremen), Fabienne Liptay (Universität Zürich), Susanne Marschall (Eberhard Karls Universität Tübingen), Maude Oswald (Université de Lausanne), Volker Pantenburg (Bauhaus-Universität Weimar), Achilleas Papakonstantis (Université de Lausanne), Winfried Pauleit (Universität Bremen), Karl Prümm (Philipps-Universität Marburg), Veronika Rall (Universität Zürich), Friedrich Tietjen (Universität Wien), Birk Weiberg (Zürcher Hochschule der Künste), Sandro Zanetti (Universität Zürich)

Organisation: Prof. Dr. Fabienne Liptay, fabienne.liptay@fiwi.uzh.ch

Tagungsbüro: Patricia Vidovic, patricia.vidovic@fiwi.uzh.ch