BildTransformationen. Aktuelle Positionen im osteuropäischen Film

Patricia Pfeifer, M.A.
Referentin: Prof. Dr. Fabienne Liptay

Das interdisziplinäre Dissertationsprojekt legt seinen Schwerpunkt auf Film- und Kunstproduktionen, die seit 2001 in Ungarn, Rumänien und dem ehemaligen Jugoslawien entstanden sind und sich durch spezifische Bildstrategien mit dem postkommunistischen Übergang beschäftigen. Den Ausgangspunkt bildet die Vorstellung, dass dieser Übergang heterogene Zeitlichkeiten in sich vereint und einen globalen Prozess der gesellschaftlichen und ökonomischen Transformation beschreibt. Indem sich das Projekt den Bildpraktiken und grenzüberschreitenden Produktionsstrukturen einer jungen Regie- und Künstlergeneration widmet, soll nach einer spezifischen «Ästhetik des Übergangs» gefragt werden.

Entgegen der Annahme, dass mit dem politischen Umbruch von 1989 auch ein ästhetischer und epistemologischer Paradigmenwechsel einhergeht, liegt dem Projekt die These zugrunde, dass die wesentlichen Bedingungen für einen modifizierten kunst- und filmtheoretischen Diskurs zu Film- und Kunstproduktionen aus Osteuropa erst später geschaffen wurden. Darunter fällt die Beobachtung, dass die Theoriebildung sowie Wissensproduktion in der Verhältnisbestimmung zwischen West und Ost vor allem seit 2001 wesentliche diskursive Verschiebungsprozesse durchlaufen hat. Am deutlichsten zeugt davon eine neue Begriffspolitik, die dem Konzept des «Former East» ein «Former West» (Igor Zabel) zur Seite stellt und einen gegenseitig stattfindenden Transformationsprozess betont.

Aus kunstwissenschaftlicher Perspektive dürfen die drei Bände East Art Map (IRWIN 2006), Former West (Maria Hlavakova/Simon Sheikh 2015) sowie die kritische Anthologie Art and Theory of Post-1989 Central and Eastern Europe (Ana Janevski/Roxana Marcoci 2018) als richtungsweisend gelten, die neben Todd Herzogs und Michael Gotts filmwissenschaftlicher Studie East, West, and Centre. Reframing Post-1989 European Cinema (2015) den theoretischen Horizont der vorliegenden Arbeit bilden. Methodisch orientiert sich das Dissertationsprojekt an den drei zentralen Konzepten der Diskontinuität, Verschiebung und Differenz, die sowohl in ihrer politischen als auch ästhetischen Dimension für eine Analyse und Einordnung von Bild- und Erzählstrategien genutzt werden sollen.

Als exemplarisch darf die Reconstructions-Serie des rumänischen Künstlers Iosif Király gelten, mit der er seit 2001 den urbanen Transformationsprozess seines Landes dokumentiert. Indem seine Fotocollagen die Zeit-Intervalle zwischen den einzelnen Aufnahmezeitpunkten offenlegen, integrieren sie in die Bildstruktur die Erfahrung räumlicher und zeitlicher Diskontinuitäten. Ein Effekt ist dabei, dass seine Panorama-Collagen von Bukarest, London und Berlin nahezu ununterscheidbar werden, und sich die drei europäischen Metropolen über ihre visuellen Nahtstellen miteinander verbinden.