Die transnationale Produktion, Distribution und Rezeption der ersten ägyptischen Filme, die nach Europa gelangten

Henriette Bornkamm, Dipl.-Kommunikationswirtin
Referentin: Prof. Dr. Margrit Tröhler

Nicht nur Filme zirkulierten seit Anbeginn der Filmgeschichte weltweit. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts reisten europäische Filmschaffende wie die Lumière-Kameramänner Alexandre Promio und Félix Mesguich um den Globus, um bewegte Bilder touristischer Destinationen einzufangen – so auch nach Ägypten. Ab den 1920er Jahren begaben sich dann erstmals ägyptische Cineasten mit der Absicht nach Europa, das Filmhandwerk in Berlin, Paris oder Rom zu erlernen sowie Material und Technik für zu Hause einzukaufen. Am Ende des Jahrzehnts wurden außerdem europäische Techniker und Künstler von ägyptischen Filmstudios angeheuert. Gemeinsam mit den europäischen Fachleuten drehte diese Generation ägyptischer Filmpioniere erste hochwertige Tonfilme, die ab Mitte der 1930erJahre auch außerhalb der arabischen Welt zirkulierten. Viele der im transnationalen Raum Ägypten-Europa entstandenen Filme zählen in Ägypten heute zu den Klassikern, während sie in den Filmhistoriographien, die in europäischen Sprachen verfasst sind, kaum erwähnt werden. Dies ist selbst dann der Fall, wenn Europäer in bedeutenden Positionen, etwa als Regisseure, mitarbeiteten. Diese Diskrepanz nehme ich zum Anlass, um eine transnationale Untersuchung der ersten ägyptischen Spielfilme. die nach Europa gelangten, vorzunehmen. Zu diesen zählen die Filme WIDĀD (Fritz Kramp, Ägypten 1936), LAŠIN (VERRÄTER AM NIL, Fritz Kramp, Ägypten 1938) und RAYʾ W SEKINA (DER FRAUENWÜRGER VON KAIRO, Salah Abu Seif, Ägypten 1953). Ziel meines Forschungsprojekts ist es, danach zu fragen, welche Bilder und Töne die ersten ägyptischen Filme, die außerhalb der arabischen Welt zirkulierten, transportierten, wie diese vermittelt wurden und welche Reaktionen die Filme in Ägypten und Europa auslösten. Hierbei beziehe ich mich auf Filmrezensionen aus Ägypten, Deutschland, den USA und anderen europäischen Ländern. Ausgehend von der Analyse dieser Quellen verfolge ich die These, dass Rezeptionsunterschiede zwischen ägyptischen und europäischen Zuschauern primär auf einer stimmungshaften, sinnlichen Ebene zu finden sind.