30 Jahre Seminar für Filmwissenschaft

Nach einer langen und kulturpolitisch interessanten Vorgeschichte wurde die Filmwissenschaft zum Herbstsemester 1989 in den Fächerkanon der Philosophischen Fakultät der Universität Zürich aufgenommen. Heute, drei Jahrzehnte später, ist das Zürcher Seminar zu einem namhaften Zentrum der filmwissenschaftlichen Lehre und Forschung im internationalen Raum geworden. Wir blicken mit Stolz zurück und freuen uns auf eine spannende Zukunft in Forschung und Lehre – seit dem Herbstsemester 2019 neu mit der Möglichkeit, Filmwissenschaft auch im Bachelor als Hauptfach zu studieren.  

Anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Seminars für Filmwissenschaft waren verschiedene Veranstaltungen in 2019 dem Jubiläum gewidmet.

Im Herbstsemester richtete die Ringvorlesung «1989: Bewegungen, Impulse, Umbrüche» den Blick zurück auf das Gründungsjahr des Seminars. Die Etablierung der Filmwissenschaft an der Universität Zürich vor dreissig Jahren fand im Kontext eines historisch sowie gesellschaftspolitisch bewegten Jahrzehnts statt und gab die Gelegenheit, über die komplexe Wechselbeziehung von Film und Geschichte nachzudenken und danach zu fragen, welche Geschichte(n) das Kino schreibt und wie die Filmwissenschaft als junge Disziplin mit diesen Prozessen verbunden ist. Das Jahr 1989, auf das im Rahmen der Ringvorlesung mit und durch eine Vielzahl von Filmen geblickt wurde, stellte in politischer wie auch mediengeschichtlicher Hinsicht einen aussergewöhnlichen Wendepunkt dar. Die Ringvorlesung, zu der international renommierte Referentinnen und Referenten geladen waren, fand als öffentliche Veranstaltung im Filmpodium der Stadt Zürich statt und wurde von einer Filmreihe begleitet.

Der Workshop «Filmische Zeitlichkeiten: Formate, Dispositive, mediale Räume», der vom 12.–14. September 2019 an der Universität Zürich veranstaltet wurde, war den vielschichtigen und heterogenen Zeitlichkeiten des Films hinsichtlich ihrer historischen, ästhetisch-materialen und theoretischen Bedingtheiten gewidmet. Mit dem Fokus auf Formate, Dispositive und mediale Räume rückten Aspekte filmischer Medialität in den Vordergrund, die eine eigene Zeitlichkeit des Films als Historizität kenntlich und erfahrbar machen: eine Historizität, die durch die Koppelung von Heterogenem zu einer medialen und materialen Hybridität führen kann, die auf die Filmgeschichte und die Geschichte (als filmischen Referenzrahmen und/oder als Kontext) verweist und auf Veränderungen, Verschiebungen und Verdichtungen aufmerksam macht.

Bei diesen Gelegenheiten konnte das Seminar für Filmwissenschaft das 30-jährige Jubiläum mit seinen Studierenden und Forschenden, mit Kolleginnen und Kollegen, Freunden und Verbündeten sowie mit allen Filminteressierten feiern.