titelbild Universität Zürich Seminar für Filmwissenschaft
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BA-Seminar
Die phantastischen Welten des Philip K. Dick

Dozent: Henry M. Taylor
Mi 14:00-18:00

BA-Seminare können gemäss den entsprechenden Wegleitungen belegt werden als
– Wahlpflichtmodule (MA+SA) im Grossen Nebenfach des Bachelor-Studiengangs (erst nach erfolgreich absolvierter Filmanalyse 2, einer Vorlesung Filmgeschichte (PR) und einem Proseminar (MA+SA) oder (MA+RE+SU))
– Proseminare mit Proseminararbeit im 1. Nebenfach des Liz-Studiengangs, wobei empfohlen wird, sie erst als 2. Proseminar zu belegen.
Nicht möglich ist die Belegung im Liz-Studiengang als Proseminar mit Referat und Thesenblatt, als Proseminar im 2. Nebenfach und als Seminar im Hauptstudium nach bestandenem Akzess.

Erst nach seinem Tode einem breiten Publikum bekannt geworden, ist der amerikanische Schriftsteller Philip K. Dick (1928–1982) heute zum bevorzugten Science-Fiction-Autor des postmodernen Kinos avanciert. Seine in einer kohärenten Vision entwickelten, um philosophische Grundfragen des Seins kreisenden Geschichten beschäftigen sich immer wieder mit Parallelwelten und künstlichen Universen, den Paradoxien von Zeitreisen und zirkulären Narrationen sowie, nicht zuletzt, programmierten Identitäten und falschen Erinnerungen.
Dick verstarb kurz vor dem Kinostart von Ridley Scotts BLADE RUNNER (USA/GB 1982), einem Meilenstein des Science-Fiction-Kinos, der auf seinem 1968 erschienenen Roman Do Androids Dream of Electric Sheep? basiert. Im Gefolge von Scotts Kultfilm zu neuer Popularität gelangt, wurden seither zahlreiche von Dicks Kurzgeschichten und Romane verfilmt oder dienten indirekt als Inspiration. Neben den unmittelbaren Adaptionen – erwähnt seien hier unter anderem TOTAL RECALL (Paul Verhoeven, USA 1990), MINORITY REPORT (Steven Spielberg, USA 2002), PAYCHECK (John Woo, USA 2003) und A SCANNER DARKLY (Richard Linklater, USA 2006) – erweist sich das so genannte mindbender-Kino seit den 90er Jahren insgesamt von Dicks Visionen stark beeinflusst. Fantastische Komödien wie GROUNDHOG DAY (Harold Ramis, USA 1993), THE TRUMAN SHOW (Peter Weir, USA 1998) oder ETERNAL SUNSHINE OF THE SPOTLESS MIND (Michel Gondry, USA 2004) sind, teils als verkappte Adaptionen, ebenso von einer Dick’schen Sensibilität geprägt wie die SF-Thriller ABRE LOS OJOS (Alejandro Amenabar, E 1997, Remake: VANILLA SKY, Cameron Crowe, USA 2001) oder CYPHER (Vincenzo Natali, USA 2002).

Ziel der Lehrveranstaltung, die sich vor allem an Studierende mit Kenntnissen der Filmanalyse richtet, ist eine ästhetische und hermeneutische Einführung in die Science Fiction und den Futurismus des Dick’schen Universums. Begleitend zur Analyse von Filmadaptionen steht hier eine selektive Lektüre von Dicks Geschichten sowie von theoretischen Texten auf dem Programm. Dabei gilt der Fokus neben der typischen Motivik und Ontologie auch genretheoretischen Überlegungen und der Untersuchung von nichtlinearen, postklassischen Erzählstrukturen, namentlich im Hinblick auf das heute besonders virulente Phänomen des mindbender-Kinos. Nicht zuletzt sollen über spezifische textuelle Analysen auch philosophische Grundfragen, wie sie etwa der Konstruktivismus oder der philosophische Realismus stellen, diskutiert werden, um weiterführende kulturelle Bedeutungen zu erschliessen.

Einführende Literatur:
DICK, Philip K. (2005): Minority Report. London: Orion. [Kurzgeschichten]. – Erstausgabe: London: Gollancz, 2002.
ROBB, Brian J. (2006): Counterfeit Worlds. Philip K. Dick on Film. London: Titan Books.
SPIEGEL, Simon (2007): Die Konstitution des Wunderbaren. Zu einer Poetik des Science-Fiction-Films. Marburg: Schüren.

 

Stand: 15.10.2009