Filmgeschichte Transnational: Deutsch-Brasilianische Filmbeziehungen, 1910-2010

  Dr. Wolfgang Fuhrmann
Habilitationsprojekt

Das Forschungsprojekt (Habilitationsprojekt) untersucht die deutsch-brasilianischen Filmbeziehungen im Zeitraum 1910-2010. Filmwissenschaftlich ordnet sich das Projekt den Transnational Film Studies zu, die in den vergangenen Jahren innerhalb der Filmwissenschaft zunehmend an Bedeutung gewonnen haben. Ausgehend von theoretisch-historiografischen Überlegungen zur transnationalen Filmforschung, die auf einer methodisch produktiven Verbindung von Histoire croisée und Filmtheorie beruhen, analysiert das Projekt in verschiedenen Zeitabschnitten der Filmbeziehung signifikante Verflechtungen, Verbindungen und Transfers zwischen den beiden Ländern, die neue Perspektiven auf die deutsche, aber auch die brasilianische Filmgeschichte eröffnen. Der multiperspektivische Entwurf einer transnationalen Filmgeschichte, wie er im Projekt angestrebt wird, beschränkt sich somit nicht ausschliesslich auf einen einzelnen Aspekt, z.B. das sich wandelnde Brasilienbild im deutschen Kino, sondern zeigt mit Hilfe der filmhistorischen Forschung und der zur Verfügung stehenden Methoden das breite Spektrum der Filmbeziehungen: Brasilien als Arbeitsfeld in der Ethnografie und die Verbreitung von Amazonasfilmen in der Frühzeit der Kinematographie, die Eröffnung eines UFA Palastes in São Paulo, Brasilia als «role model» für das junge Nachkriegs-Berlin, die transnationalen Biografien deutsch-brasilianischer Filmschaffender sowie transnationale Narrative im neueren brasilianischen Kino. Mit der Summe der Untersuchungen soll nicht nationale Filmhistoriografie für obsolet erklärt, wohl aber das Kompositum „Trans-national“ als eine Herausforderung für das Konzept des nationalen Kinos verstanden werden, Kino über nationale und kulturelle Grenzen hinaus in neue Kontexte zu gliedern und neu zu denken. Das Habilitationsprojekt ist somit die Reflexion über die Möglichkeit einer transnationalen Filmhistoriografie, in der andere Parameter gelten als in traditionellen Filmgeschichtsschreibungen, die sich überwiegend auf Motiv, Filmform oder Autorenschaft konzentrieren.