(Ein)Geschlossene Räume –
Medienästhetik der Box im Film

Nepomuk Zettl, M.A.

Referentin: Prof. Dr. Fabienne Liptay

Im Film inszenierte räumliche Einschlüsse können als mediale Dispositive untersucht werden. Mit dem Motiv der Box (im Sinne von Schachteln, Kisten, Gehäusen und Paketen) figurieren diese opaken Räume eine Schnittstelle von Sicht- und Unsichtbarkeit. Dabei ist weniger entscheidend, was sich in ihnen verbirgt, als der Modus ihrer Inszenierung. In der Beschreibung dieses Prozesses wird die Funktion räumlicher Einflüsse zu entfalten sein.

Ausgehend von Filmanalysen soll deshalb eine Medienästhetik der Box entworfen werden, die das Phänomen räumlicher Einschlüsse untersucht und dieses bisher weitgehend unbeachtete Phänomen an Beispielen ergründet. Die Arbeit folgt der Hypothese, dass im Motiv räumlicher Einschlüsse Unsichtbarem, Unerhörtem und Unbegreiflichem eine konkrete Gestalt verliehen wird. Die Box im Film reflektiert die Relationen zwischen Präsenz und Absenz, Oberfläche und Tiefe, Bild und Ton, Zuschauer und Diegese sowie zwischen Wahrnehmung, Erinnerung und Narrativierung am konkreten Objekt. Dabei wahrt sie in ihrer Struktur ein mediales Paradox: erscheint sie doch in greifbarer Nähe und verhindert zugleich den Zugriff auf den Inhalt. In Momenten in denen dieses Fassungsvermögen im Film inszeniert wird, verschiebt sich die Grenze des Darstellbaren und des Intelligiblen.

Als Motiv lässt sich die Box als historisches Objekt beschreiben, dessen Bedeutung sich im Laufe der Filmgeschichte verändert. Zudem birgt jede Box eine eigene Geschichte, die sich im Verlauf des einzelnen Films entfaltet – sie buchstabiert ihre Bedeutung gewissermaßen aus. Das Ziel der Forschungsarbeit liegt zum einen darin, die Dynamik zwischen der Oberfläche des bildhaften Moments und der Bedeutungstiefe, die erst im Ablaufen des Filmes entsteht, als Eigenheit der Box im Film zu untersuchen. Zum anderen soll ein produktiver Beitrag zur Motivforschung geleistet werden, die aus dem Austausch zwischen Film-, Literatur-, Musik- und Kunstwissenschaft hervorgeht. Es wird zu untersuchen sein, inwiefern die Geschichte des Films, von Georges Méliès’ Zauberkisten bis David Lynchs enigmatischen Boxen, immer auch eine Reflexion raumzeitlicher Inszenierung beschreibt und reflektiert.