BildTransformationen. Aktuelle Positionen im osteuropäischen Film

Patricia Pfeifer, M.A.
Referentin: Prof. Dr. Fabienne Liptay

Spätestens seit dem Fall des Eisernen Vorhangs ist ein verstärktes wissenschaftliches Interesse an den ostmitteleuropäischen Film- und Kunstproduktionen zu verzeichnen. Die Wende von 1989 zog nicht nur veränderte politisch-wirtschaftliche Bedingungen mit sich, sondern stellte auch die Künstler und Regisseure vor neue Herausforderungen. Während bislang ein politisch-historischer Zugang bei der Analyse und Aufarbeitung von post-sozialistischen Filmen überwiegt, setzt das Forschungsprojekt einen gezielt bildwissenschaftlichen Fokus und dreht die Frageperspektive um: unter dem Stichwort der «BildTransformation» soll gefragt werden, welche visuell-ästhetischen Qualitäten sich seither neu entwickelt haben. Wie können in den Bildern und durch das Bildnerische selbst Prozesse der Transformation thematisiert und verhandelt werden? Welche Modi der Inszenierung und Sichtbarmachung weisen gerade die (audio)visuellen Medien auf, um Momente der Umwandlung sowie Neuordnung zu verarbeiten?

Sei es durch die Hinterfragung unserer Wahrnehmung und Erinnerungsqualität in fotografischen Collagen, der Reorganisation von Geschichte durch Found-Footage-Filme oder eine Parallelisierung unterschiedlicher Wirklichkeits- und Zeitebenen in magisch-realistisch anmutenden Spielfilmen: Jene visualisierten Sprünge und Risse sind es, die eine Durchdringung von filmischer, bildlicher Wirklichkeit und geschichtlicher Realität verhandeln und den Übergang in eine neue Raum-Zeit markieren.

Das interdisziplinär angelegte Dissertationsprojekt nutzt die bestehende Forschungslücke in der Bearbeitung einer visuellen Ästhetik des Post-Sozialismus und hat zum Ziel, eine Auswahl an zeitgenössischen Bildpraktiken aus Film, Fotografie und Bildender Kunst vergleichend zu untersuchen. Im Fokus stehen ostmitteleuropäische Künstler und Regisseure, deren Gemeinsamkeit darin besteht, dass ihre Biographien zwei Gesellschaftssysteme durchschreiten und auch ihre Werke Stile oder Topoi eines «Dazwischen» aufweisen. Durch ein methodisch und strukturell zwischen den Feldern der bildenden und audiovisuellen Kunst vermittelndes Vorgehen soll versucht werden, eine Ästhetik des Zwischenraums herauszuarbeiten.