Fashion on Display: Ausstellungsformate filmisch inszenierter Mode

Carla Gabriela Engler, M.A.
Referentin: Prof. Dr. Fabienne Liptay

Das Dissertationsprojekt Fashion on Display: Ausstellungsformate filmisch inszenierter Mode untersucht, wie filmische Inszenierungen von Mode qua «Skalierung» (David Summers) und «Transaktion» (David Joselit) politische Machtverhältnisse verhandeln. Berücksichtigt werden Filme, die Mode in globalen Ausstellungskontexten darstellen und thematisieren, wie etwa der an der documenta 14 gezeigte, 900-minütige und in einer Einstellung gedrehte Film von Wang Bing über die Arbeitsbedingungen einer chinesischen Textilfabrik (15 Hours, 2017) oder Hans Eijkelbooms filmische Wiedergabe serieller Strassenfotografien, in denen Menschen anhand distinkter Kleidungsmerkmale katalogisiert werden (The Street & Modern Life, Birmingham, U.K., 2014). Der Korpus wird durch Filme erweitert, die als Ausstellungsdisplays in Mode-Ausstellungen figurieren, wie beispielsweise in der Retrospektive Savage Beauty, in der Alexander McQueens gefilmte Runway-Shows als Objekte eines Kuriositätenkabinetts ausgestellt wurden (Metropolitan Museum of Modern Art, New York, 2011).

Ausgehend von der Annahme, dass sich die Mode einem «gesellschaftlichen Seismografen» (Barbara Vinken) gleich dechiffrieren lässt, werden in ihrem Reflex soziale und kulturelle Verhältnisse betrachtet. Wer die Mode «zu lesen verstünde», schreibt Walter Benjamin im Passagen-Werk, wisse «im voraus nicht nur um neue Strömungen in der Kunst, sondern um neue Gesetzbücher, Kriege und Revolutionen». Aus dieser Perspektive werden die politischen Implikationen von Formatierungsprozessen untersucht, die der Mode als einem Instrument der Konfektionierung kultureller Körper und Identitäten ebenso wie dem Film als einem Instrument der Vermessung und Verbreitung entsprechender Weltentwürfe und Wissensordnungen zugrunde liegen. Die Ausstellung als Kontext filmisch inszenierter Mode wird dabei ihrerseits als «kulturelles Format» (Dorothea von Hantelmann) verstanden, das durch Akte der räumlichen und zeitlichen Organisation gesellschaftliche und ökonomische Werte der westlichen Moderne reproduziert wie auch hervorbringt. Dabei gilt es zu fragen, inwiefern die Ausstellung filmisch inszenierter Mode diese Werte durch Formatierungsprozesse festschreibt und unter welchen Bedingungen sie eine kritische Reflexion westlicher Hegemonien ermöglicht.