Raumgefühle und Gefühlsräume. Rahmung und Affektkonstruktion im Werk von Chantal Akerman

Alina Cista, M.A.
Referentin: Prof. Dr. Margrit Tröhler

Das Dissertationsprojekt erschließt die Ästhetik von Chantal Akerman in der Bild- und Textkultur zwischen 1950 und 2015 über die theoretischen Begriffe «Rahmung» und «Affekt» als für das vorliegende Werk zentrale, jedoch kaum untersuchte ästhetische Operationen und ikonische Potenziale, innerhalb einer Normen- und Rezeptionsgeschichte nach 1945. In phänomenologischen und strukturellen Analysen exemplarischer Filme und Videoinstallationen untersucht die Studie die Figuren als gerahmte Artefakte zwischen Kino- und Museumskontext im Hinblick auf die intendierte Dimension der Figurenkonzeption und -rezeption. Ausgehend von einer grundlegenden Skepsis gegenüber dem Bild reflektiert die Filmemacherin und Künstlerin die Möglichkeiten und Grenzen der Darstellbarkeit. Sie erkennt deren Entzug im Modus des Zeigens als phänomenologisches Strukturmoment für bildkonstitutiv und setzt diesen zugunsten der Imagination und Wirkung, sowie zur Befragung des Verhältnisses von Ästhetik und Ethik, produktiv ein. So wird in den Werken selbst das Dazwischen von Kunstwerk und Rahmung visuell reflektiert, und das Beiwerk zeigt sich als singulärer Ort elaborierter, ästhetischer und ethischer Auseinandersetzungen – mal als künstlerische Praxis, mal als sinnliche Erfahrung mit der Dingwelt.

Das Vorhaben situiert sich zwischen Filmwissenschaft, Bildwissenschaft und Philosophie, geht methodisch wie theoretisch integrativ vor und verfolgt folgende Fragen: Was heisst visuelles Denken im Bewegtbild von Chantal Akerman im Hinblick auf die Undarstellbarkeit existenzieller Gefühle innerhalb der Konzeption einer alteritären Ethik, und welchen Erkenntniswert bietet ihre Bildästhetik als singuläre Wissensform hinsichtlich einer allgemeinen Ethik des Bildes?