Der Diskurs zur Internationalität des Films und die Praxis der Sprachversionen. Der Medienwandel zum Tonfilm zwischen Universalität und sprachlich-kultureller Spezifik

Jessica Berry, M.A.
Referent: Prof. Dr. Jörg Schweinitz

Das Dissertationsprojekt widmet sich der kultur- und filmhistorischen Untersuchung eines Medienwandels in einem spezifischen nationalen/kulturellen Raum (mit seiner transnationalen Verflechtung). Es handelt sich um die Etablierung des Tonfilms, die sich weltweit schrittweise ab 1927/29 vollzog und um 1934 im Wesentlichen abgeschlossen ist. Erforscht werden soll dieser Prozess im multilingualen Raum der Schweiz, der besondere Herausforderungen an die für den Tonfilm relevante Sprachlichkeit stellt.

Mit Medienumbrüchen geht meist die Restrukturierung der Öffentlichkeit einher, in diesem Fall der Kinoöffentlichkeit der Schweiz im Untersuchungszeitraum. Deren Restrukturierung im Zuge der Durchsetzung des Tonfilms vollzog sich auf Grundlage der Neugestaltung von Vertriebs- und Kinonetzen, von Dispositiv und Aufführungspraktiken und von Kommunikationswegen (hier vor allem Presse), und sie äussert sich in den Debatten jener Zeit zum Kino, teils auch in der zeitgenössischen Filmkritik. Die wissenschaftliche Sichtung und Erschliessung solcher Faktoren soll die qualitative Analyse von Entwicklungen und Wandlungen der Kinoöffentlichkeit untersetzen. Dabei wird Fragen nach Besonderheiten der Entwicklungen in einem mehrsprachigen nationalen Raum stets besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Dies geht über den besonders bedeutsamen Aspekt der Entwicklung von Praktiken des Sprachtransfers noch hinaus; es schliesst auch Fragen nach Entwicklungsbesonderheiten in den Sprachregionen ein und fordert die Reflexion des Verhältnisses von transnationalen Trends, die sich mit dem Tonfilm verbinden, und nationalen sowie regionalen Eigentümlichkeiten ein.

Hauptziel ist es, mit einem medienkulturhistorischen Interesse die historiografische Erschliessung wesentlicher Züge des Tonfilm-Medienwandels in der Schweiz zu erschliessen und in Hinsicht auf deren Bedeutung für Umbrüche in der mehrsprachigen schweizerischen Kinoöffentlichkeit zu untersuchen. Damit wird einerseits einem Desiderat der filmhistorischen Forschung zur Schweiz begegnet und andererseits mit dem Konzept der Kinoöffentlichkeit ein innovativer Forschungsansatz verfolgt, der sich in den letzten Jahren in der internationalen Forschungslandschaft etabliert hat. Mit einer Perspektive, die dabei das Verhältnis von transnationalen und nationalen Momenten akzentuiert und dabei Aspekte eines mehrsprachigen Raumes betrachtet, möchte die Arbeit zugleich aktuellen Erkenntnisbedürfnissen in besonderer Weise gerecht werden.