Der Bewegungsfilm. Die Politik der Film- und Videoarbeit im Kontext sozialer Bewegungen

Dr. des. Julia Zutavern
Referentin: Prof. Dr. Margrit Tröhler
Assoziiertes Mitglied des Graduiertenkollegs «Körper, Selbsttechnologien, Geschlecht: Entgrenzungen und Begrenzungen», Universität Zürich (2008–2011)

Neue soziale Bewegungen nutzen seit ihren Anfängen audiovisuelle Medien, um ihrem politischen Selbstverständnis Ausdruck zu verleihen. Mit Film-, Video- und Handykameras dokumentieren sie ihre Aktionen, artikulieren ihre Interessen und reflektieren ihren Widerstand. Das Spektrum der seit den 1960er Jahren auf diese Weise entstandenen Dokumentar-, Spiel-, Essay- und Experimentalfilme reicht von Amateurarbeiten über halbprofessionelle Nischenfilme bis hin zu professionellen Produktionen aus dem Autorenfilmbereich. Die Dissertation untersucht die sich wandelnden ikonografischen Muster, rhetorischen Strategien und ideologischen Komponenten von Bewegungsfilmen und -videos im Zusammenhang mit den Aspekten der Produktion, Distribution und Rezeption und fragt nach den gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Funktionen solcher kollektiven audiovisuellen Selbstdarstellungen. Ziel ist es, über die theoretische, filmanalytische und pragmatisch-historische Auseinandersetzung mit einem exemplarischen Korpus von (überwiegend) Schweizer Produktionen das Verhältnis zwischen Film bzw. Video und Politik neu zu bestimmen. Dabei wird unter «Politik» mit Jacques Rancière ein Handeln der Subjekte bzw. eine Ausformung von Subjektivierungsweisen verstanden und das «Politische» eines Films semiopragmatisch als ein Modus der Bedeutungsproduktion erfasst. Es gilt zu untersuchen, inwiefern Bewegungsfilme und -videos politische Lektüren nahelegen und damit als «Selbsttechnologien» (Foucault) fungieren, das heisst, zu jenen Praktiken gehören, die Subjektivität formieren, und dadurch die Mitglieder einer Bewegung in ihrem politischen Ausdruck überhaupt erst als (Bewegungs-) Subjekte konstituieren.