Jazz Dance in Black and White – 1920s–1940s

Dr. Susie Trenka
Referentin: Prof. Dr. Margrit Tröhler

Das Dissertationsprojekt versteht sich als filmhistorische Arbeit und untersucht die filmischen Repräsentationen afroamerikanischer Tanzkultur von den 1920er Jahren bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Gegenstand der Untersuchung sind populäre Formen von Tanz und Film. Da die damalige Tanzmusik überwiegend dem Jazz und davon abgeleiten Stilen zugerechnet werden kann, wird der populäre afroamerikanische Tanz der Zeit auch unter dem Oberbegriff jazz dance zusammengefasst, wobei das Spektrum Solo-, Paar- und Gruppentänze in improvisierter wie auch choreografierter Form umfasst (die bekanntesten Beispiele sind wohl Charleston, Tap und Lindy Hop/Jitterbug). Diese populären Tanzstile, die im Film ebenso präsent sind wie auf der Bühne oder in Clubs, haben die Wahrnehmung, Repräsentation und Mythologie des Jazz Age (1920er Jahre) und der Swing Era (30er bis frühe 40er Jahre) massgeblich geprägt.
Das Forschungsprojekt konzentriert sich auf diese Perioden, nicht nur weil sie als Blütezeit schwarzer Musik- und Tanzkultur gelten, die mittels Schallplatten und Film erstmals einem Massenpublikum zugänglich gemacht wird, sondern auch weil ein Grossteil des entsprechenden Filmmaterials aus dieser Zeit noch kaum untersucht worden ist. So sind nebst dem klassischen Erzählkino auch Kurzfilme und Soundies (eine Art Musikvideo-Vorläufer) Gegenstand der Untersuchung. Diese heute relativ wenig bekannten, damals aber sehr populären Unterhaltungsfilme bilden eine wichtige Ergänzung – und einen aufschlussreichen Kontrast – zum Hollywood-Spielfilm.
Im Zentrum der Forschung steht die Frage nach der Darstellung «schwarzer» Körperlichkeit im Kontext kolonialistisch geprägter Diskurse, also nach der Konstruktion von Race- und Gender-Identitäten, aber auch nach deren Subversion durch individuelle Performance. Die Arbeit fragt also nach dem Wechselspiel zwischen dem tanzenden Körper im Film einerseits und textuell und intertextuell kodierten Typen und Stereotypen, Rollen oder Star-Images andererseits. Zudem geht es um die komplexen und widersprüchlichen Prozesse von Austausch zwischen schwarz und weiss, von gegenseitiger Aneignung und Assimilation. Ansätze aus Postcolonial, Race und Gender Studies werden beigezogen, wo dies produktiv ist, im Vordergrund steht aber weniger die Illustration von Theorien als vielmehr die historische Diskursanalyse.