Das Ornament als ästhetisches Prinzip des kinematographischen Raumes und seine Inszenierung im europäischen Stummfilm (Arbeitstitel)

Evelyn Echle, Dr..
Referent: Prof. Dr. Jörg Schweinitz

Die Konstruktion und Gestaltung des kinematographischen Raums erfährt im Diskurs um die Strukturierung des Raumes im Denk- und Wissenschaftssystem von Kulturen eine besonders komplexe Debatte. Zum einen ist die Schaffung räumlicher Strukturen für den Film selbst eine grundlegende Herausforderung des Mediums, zum anderen greift die Beschäftigung mit Raum im Film automatisch auf ein interdisziplinäres Feld über. Die Bewältigung des Widerspruchs zwischen Zweidimensionalität des Bildes und der Dreidimensionalität des dargestellten Raumes begleitet die Filmgeschichte von Anbeginn. Den Leitgedanken dieses Vorhabens bildet die Erforschung der Bedeutung des Ornaments – sowohl in seiner traditionellen als auch seiner modernen Ausbildung – für die Organisation des Filmbildes im europäischen Stummfilmkino. In den Filmen der 1910er und der 1920er Jahre ist das Ornament ein zentrales Element zunächst in der Ausgestaltung des kinematographischen Raumes und greift schrittweise immer stärker in die Inszenierung des für das Filmbild charakteristischen Verhältnisses von Fläche und Raum ein. Der eigentliche Schwerpunkt liegt in der systematischen Erforschung der stilistischen Bedeutung der Ornamentik für das Kino der 1920er Jahre und seines Vorläufers in den 1910er Jahren – denn das Prägende des Ornaments für die Organisation kinematographischen Raumes innerhalb der Mise-en-scène und der Mise-en-images fand in der Forschung bislang wenig Beachtung. Für die ästhetisch-ikonographische Analyse bietet sich das Ornament als Interpretations-Instrument auch gerade deshalb an, da die zeitgenössische Filmtheorie den Übergang vom traditionellen Ornament zur modernistischen Variante begleitet hat. Damit ist das grundlegende Ziel der Arbeit formuliert: Sie nimmt mit der filmhistorischen Untersuchung des Verhältnisses von Rauminszenierung und Ornament am europäischen Stummfilmkino ein bildtheoretisches Programm auf. Die Bewegung von der Mise-en-scène zur Mise-en-images untersuchend, weitet die Analyse im Sinne neuerer Bestrebungen einer intermedialen Bildwissenschaft den Blick auf den Kontext zu anderen Bildmedien jener Zeit aus.