Neues KTI-Projekt DIASTOR

Neues KTI-Projekt DIASTOR Bridging the Gap Between Analog Film History and Digital Technology.

Das Projekt wird finanziert von den privatwirtschaftlich ausgerichteten Projektpartnern mit Unterstützung der Kommission für Technologie und Innovation (KTI). KTI ist eine Institution des Schweizer Bundes, welche die Industrie durch die Vermittlung von universitärer Forschung mit der deutlich ökonomisch ausgerichteten Maxime „Science to market“ unterstützt.

Leading House ist das Seminar für Filmwissenschaft der Universität Zürich unter der Projektleitung von Prof. Dr. Barbara Flückiger.

Die englische Version der Projektbeschreibung von DIASTOR befindet sich in der Forschungsdatenbank der Uni Zürich.

Ausgangslage

Weltweit haben die Kinos Ende 2012 fast komplett auf digitale Projektion umgestellt, während die Produktion schon seit einigen Jahren mehrheitlich digital statt findet.

Dieser Wandel stellt auch die filmtechnischen Betriebe in der Schweiz vor eine grosse wirtschaftliche Herausforderung. Ende September 2011 schloss das Unternehmen Schwarz Film in Ostermundigen nach über 60 Jahren seinen Betrieb. EgliFilm betreibt das einzige und letzte Filmlabor der Schweiz, das die Firma jedoch laufend redimensionieren muss. In dieser Umbruchssituation ist es entscheidend, diese Firmen bei ihrer notwendigen Neupositionierung mit Innovationen zu unterstützen. In Zukunft ist die Digitalisierung von Archivfilmen ein sehr wichtiger Markt für das Überleben der filmtechnischen Branche. In den nächsten Jahren werden sowohl in der Schweiz als auch international umfangreiche Digitalisierungen der Archivbestände notwendig, damit man diese Assets bewirtschaften und distribuieren kann.

Die Schweiz sollte für diesen Wettbewerb gerüstet sein.

Zielsetzung von DIASTOR: Kooperation und Wissenstransfer

Hier setzt das Projekt DIASTOR ein, indem es die Wirtschaftspartner dabei unterstützt, ihr Know-how mit wissenschaftlicher Begleitung so auszubauen, dass sie sich in diesem Feld hochwertig positionieren können. DIASTOR ist ein Kooperationsprojekt mit dem Ziel, im Sinne einer virtuellen Fabrik die Kluft zwischen analogem historischem Film und digitaler Technologie zu überbrücken. Es ist dem Seminar für Filmwissenschaft in Zusammenarbeit mit Disney Research Zurich und dem Computer Graphics Lab der ETH Zürich gelungen, die massgeblichen Player in der Schweiz für dieses Projekt miteinander zu vernetzen, nämlich die filmtechnischen Betriebe EgliFilm und AV Preservation by reto.ch, die Hard- und Software-Entwickler Marquise Technologies und Sondor Willy Hungerbühler sowie die Cinémathèque suisse als nationales Filmarchiv. So werden die schweizerischen Umsetzungspartner aus der Privatwirtschaft im Austausch mit den wissenschaftlichen Forschungspartnern Universität Zürich und ETH Zürich und mit Disney als weltweit operierendem Konzern spezielle, auf dringende Probleme fokussierte Lösungen erarbeiten und anbieten können. Damit ist eine Palette von Dienstleistern, von Entwicklern, von Forschern und Anwendern miteinander vernetzt, die über komplementäre Kompetenzen und komplementäre technische Ressourcen verfügt und sehr rasch bedeutende Synergien entwickeln und Resultate generieren kann, welche die erfolgreiche Durchführung des Projekts und seine Sichtbarkeit im internationalen Kontext garantieren.

Während der Forschungsphase 2013-2015 werden mit finanzieller Unterstützung der KTI massgeschneiderte Lösungen für die Digitalisierung von Archivfilmen entwickelt, deren Alleinstellungsmerkmal (USP) die Verbindung von fundierter Materialkenntnis des analogen Films sowie von IT-Lösungen auf höchstem Niveau darstellt, gestützt von bestens ausgebauten technischen Infrastrukturen auf der Seite der Wirtschaftspartner, die komplementär die photochemische mit der digitalen Domäne verbinden. Die derzeit am Markt erhältlichen Lösungen beruhen meist auf einer beschränkten, an gegenwärtigen Problemstellungen zur Digitalisierung von neuem Filmmaterial entwickelten Hard- und Software ergänzt mit Restaurationssoftwares. Im Unterschied dazu bietet das Kooperationsprojekt DIASTOR die Chance, sehr unterschiedliche Prozesskomponenten sowie hoch entwickeltes, interdisziplinär angelegtes wissenschaftliches Know-how miteinander zu verbinden und so ein Komplettangebot aus einer Hand zur Verfügung zu stellen.

Im Rahmen dieses Projekts entwickelt das Forschungsteam Work-flows sowie spezifische Bearbeitungspakete zur Digitalisierung und Restaurierung von historischem Filmmaterial, welche gezielt auf die von uns eruierten Defizite bestehender Lösungen fokussieren. DIASTOR verfolgt dabei zwei komplementäre Strategien: einerseits die Automatisierung der Prozesse unter Reduktion von kostenintensiver Handarbeit und mit einer semi-automatischen Qualitätskontrolle, welche die manuelle Überprüfung auf ein Minimum reduziert; andererseits die Entwicklung von qualitativ hochwertigen Nischen für besonders anspruchsvolle Filmrestaurierungen und -digitalisierungen. Die erarbeiteten Standards und Work-flows verfolgen konsequent einen non-destruktiven und skalierten Ansatz, der die restaurationsethischen Hauptforderungen Transparenz, Dokumentation und Reversibilität berücksichtigt und mit maximaler Flexibilität auf heterogene Ansprüche aus unterschiedlichen Archivstrategien reagieren kann.

Schliesslich ist es notwendig, diese Work-flows durchgehend auf die Verwertung und das Asset-Management hin zu konzipieren, denn dieses letzte Glied in der Kette ist für den Zugang zu den Digitalisaten und damit für den ökonomischen Erfolg sowie die Erforschung der Sammlungen von Archiven entscheidend. Ein weiteres Forschungsgebiet ist die Langzeitsicherung der Digitalisate, denn digitale Formate sind einer dynamischen Entwicklung ausgesetzt, sodass derzeit der Zugang langfristig nicht garantiert ist.

Mit der Cinémathèque Suisse ist ein Anwender und potentieller Kunde direkt ins Projekt eingebunden, sodass ein umfassendes Dienstleistungspaket unmittelbar an typischen materiellen Anforderungen von Archivfilm getestet, marktorientiert weiterentwickelt und angewandt werden können.

In diesem Projekt findet also ein gezielter Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen in die Digitalisierungspraxis statt. Dieser Transfer ergibt sich aus einer umfassenden Kenntnis von filmhistorischen, filmtechnologischen und -restauratorischen Aspekten mit einer sehr guten Vernetzung in der internationalen Archivszene auf Seiten des Teams am Seminar für Filmwissenschaft und mit der Kombination Disney-Research / ETH Zürich durch IT-Forschung auf weltweit führendem Niveau sowie die Anbindung an The Walt Disney Company als einen der wichtigsten Konzerne in der internationalen Filmproduktion und der kommerziell orientierten Filmrestaurierung.

Neben ökonomischen sind es auch technologische Aspekte, die eine rasche Entwicklung von Lösungen für die Branche wie für die Archive nahe legen. Denn die derzeit bestehende, hybride Technologie, die analoge und digitale Prozesse miteinander verbindet, ist ein typisches Übergangsphänomen. Namhafte Vertreter von internationalen Forschungsprojekten zur Digitalisierung des Films haben deshalb darauf hingewiesen, dass in diesem Bereich unmittelbar gehandelt werden muss, da die Technologien auf kommerzieller Basis nicht mehr weiter entwickelt werden, wenn die aktuelle Filmproduktion ausschliesslich digital erfolgt.

Forschungspartner:

Tätigkeitsfelder: Forschung und Lehre zu Geschichte und Ästhetik des Films mit besonderem Schwerpunkt Material- und Technikgeschichte des Films sowie Digitalisierung von Archivfilmen

Relevante Kompetenz für das Projekt: Hervorragende Beziehung zu Archiven weltweit, zu Kuratoren und Entscheidungsträgern für effiziente und fokussierte Projektakquisition und -vermarktung, vertieftes Know-how dank jahrelanger Forschungstätigkeit im Bereich der Digitalisierung und Restaurierung von Archivfilmen, internationale Publikations- und Vortragstätigkeit

Projektleitung DIASTOR: Prof. Dr. Barbara Flückiger

Team: MA Claudy Op den Kamp, Filmwissenschaftlerin und Restaurierungsexpertin; Dr. David Pfluger, Chemiker und Experte in digitaler Bildbearbeitung; Dr. Franziska Heller, Filmwissenschaftlerin

Tätigkeitsfelder: Forschung und Lehre in den Bereichen CGI, Animation, Image Processing

Relevante Kompetenz für das Projekt: Weltweit führend, avancierteste IT-Forschung, Know-how im Bereich Image Processing, CGI, Compositing und Software Engineering, Capturing- und Display-Entwicklung, Publikations- und Vortragstätigkeit

Leitung: Prof. Dr. Markus Gross

Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Simone Croci

Wirtschaftspartner:

Disney Research Zurich (DRZ), eine Abteilung von The Walt Disney Company (TWDC)

Tätigkeitsfelder des Mutterkonzerns (TWDC): Content-Entwicklung, Produktion und Vertrieb von Filmen, Archivierung und Bewirtschaftung von Assets, kommerzielle Restaurierung. Tätigkeit von DRZ: IT-Forschung in den Bereichen CGI, Image Processing, Displays, Image Capturing, S3D, Computer Vision, Video.

Relevante Kompetenz für das Projekt: Best practices in der Archivierung, Restaurierung und Dissemination von Filmen, IT-Entwicklung von Tools und Work-flows, Asset Management, Anwender.

Leitung: Prof. Dr. Markus Gross

Co-Projektleitung DIASTOR: Dr. Aljoscha Smolic

Wissenschaftliche Mitarbeit: Oliver Wang, PhD

Tätigkeitsfelder: Filmentwicklung, Digitalisierung, Postproduktion

Relevante Kompetenz für das Projekt: Fachkompetenz im analogen und digitalen Filmbereich, ausgedehnte und komplette technische Infrastruktur zur Entwicklung und Bearbeitung von analogem und digitalem Film sowie Video in allen Formaten.

Leitung: Richard Grell (CEO), Yvonne Marti

Mitarbeiter in DIASTOR: Timo Inderfurth, Nicole Allemann, Norbert Dziambor, Vincenzo Figura

Tätigkeitsfelder: Archivierung, Präservation, Distribution, Restaurierung und Digitalisierung von Filmen und von filmbezogenen Materialien (Plakate, Fotografien, Drehbücher, Produktionsunterlagen etc.)

Relevante Kompetenz für das Projekt: Filmarchiv mit rund 70'000 Filmen, Visionierungseinheiten, Projektionssäle, Fachkompetenz in analoger und digitaler Archivierung, Präservation, Digitalisierung und Restaurierung, technische Infrastruktur zur Bearbeitung von analogem und digitalem Film sowie Video, Kommunikation mit der Öffentlichkeit, Distribution und Präsentation von Filmen.

Leitung: Frédéric Maire (Direktor)

Mitarbeiter in DIASTOR: Caroline Fournier, Filmrestauratorin; Dr. Pierre-Emanuel Jaques, Filmhistoriker; Carole Delessert, Filmrestauratorin; Vincent de Claparède, Bildbearbeitung; Michel Dind, Leiter Departement Film.

Tätigkeitsfelder: Restaurierung von analogem, fotochemischem Film, Digitalisierung, Filmkonservation, Analyse von Lagerungsbedingungen und Work-flows für Archive besonders hinsichtlich kostengünstigen und nachhaltigen Lösungen

Relevante Kompetenz für das Projekt: Spezielle Fachkompetenz im Bereich Filmrestaurierung, hervorragende Anbindung an die internationale Archivierungs-Community, Kenntnis von restaurationsethischen Standards und Normen, Software-Entwicklung.

Leitung: Dr. Reto Kromer (CEO)

Tätigkeitsfelder: Entwicklung von Software und Interfaces für die Filmpostproduktion, Transkodierung, automatische Restaurierungssoftware in Echtzeit und Überechtzeit, GPU-Programmierung und Systemintegration.

Relevante Kompetenz für das Projekt: Umfassende Kenntnisse des Postproduktionsprozesses und insbesondere des Farbmanagements.

Leitung: Laurence Stoll (CEO)

Mitarbeit in DIASTOR: Dan Tatut, Programmierer

Tätigkeitsfelder: Entwicklung von Hardware (Bild und Ton Digitalisierungsequipment)

Relevante Kompetenz für das Projekt: Mechanisches Engineering, Bild- und Tonverarbeitung

Leitung: William Hungerbühler (CEO)

Mitarbeit in DIASTOR: Dominik Hungerbühler, Elektronik-Entwicklung; Fritz Brem, Mechanik-Entwicklung.