Digitalisierte Branchenzeitschrift Kinema 1911–1919

Historische Einordnung

Die vor über 100 Jahren gegründete schweizerische Filmzeitschrift Kinema (1911–1919) verstand sich als Branchenblatt, das die Anliegen und Interessen der Kinobetreiber und Filmverleiher vertrat. Aus der Perspektive des in den 1910er Jahren aufstrebenden und sich nachhaltig verändernden Filmgewerbes spiegelte Kinema die grossen zeitgenössischen Debatten über das Kino und einzelne Filme. In den Leitartikeln äusserten sich die Autoren beispielsweise zu Fragen der Filmkunst und Projektionstechnik, verteidigten das Kino gegen Anfeindungen aus dem Bildungsbürgertum (Kinoreformbewegung) oder nahmen Stellung zu neu eingeführten behördlichen Regulierungsmassnahmen (beispielsweise Kinoschliessungen infolge der Grippeepidemie von 1918). Die Wochenschrift diente ebenso den alltäglichen Geschäftsbedürfnissen der Unterhaltungsindustrie: Kinema enthält Inhaltsbeschreibungen von Filmen, Verbands-Nachrichten, Filmneuigkeiten aus aller Welt sowie Verleih-Inserate.

Quellenwert

Beim Fachblatt Kinema handelt es sich um die früheste Filmzeitschrift der Schweiz und damit um eine einzigartige filmhistorische Quelle. Das Periodikum erschien in einer zwar kurzen, für die Entwicklung der Kinematografie, wie wir sie heute kennen, aber entscheidenden Zeitspanne. Die historische Wochenschrift der Schweizer Filmbranche stellt für die heutige Filmwissenschaft und Geschichtsschreibung eine wichtige Arbeitsgrundlage dar, weil sie etwa den frühen Filmdiskurs reflektiert oder Aufschluss geben kann über die Akteure, die Struktur und das Angebot des (von internationalen Akteuren und Filmen mitgeprägten bzw. dominierten) schweizerischen Filmmarkts in den 1910er Jahren. Quellenkritisch bleibt im Auge zu behalten, dass auch die redaktionellen Teile der Zeitschrift in hohem Masse von den Inseratekunden (mehrheitlich Verleiher) abhängig waren.

Digitales Editionsprojekt

Im Rahmen des Projekts retro.seals.ch wurden ab 2008 schweizerische Fachzeitschriften unterschiedlicher Disziplinen retrodigitalisiert und auf einer zentralen Plattform im Internet frei zugänglich gemacht. Die Durchführung oblag dem Konsortium der Schweizer Hochschulbibliotheken. Retro.seals.ch war ein Teilprojekt von e-lib.ch: Elektronische Bibliothek Schweiz (finanziert durch die Schweizerische Universitätskonferenz, den ETH-Rat sowie das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie). Auf Initiative des Seminars für Filmwissenschaft der Universität Zürich wurde Kinema im März 2010 in das Digitalisierungsprogramm aufgenommen. Die Schweizerische Nationalbibliothek in Bern und die Zürcher ETH-Bibliothek waren für die technische Umsetzung der Digitalisierung, Metadatenerschliessung und Web-Präsentation zuständig. Seit April 2011 ist Kinema online. Heute wird die Zeitschriftenplattform unter dem Namen E-Periodica durch  die ETH-Bibliothek betrieben.

Suche

In der digitalisierten Filmzeitschift Kinema ist zum einen das  Blättern durch die einzelnen Jahrgangsbände und Ausgaben (Hefte) möglich. Zum anderen lässt sich über eine Volltextsuche direkt auf die gewünschten Textstellen zugreifen. Bitte beachten Sie, dass Sie bei der unten stehenden Suche auf eine externe Webseite umgeleitet werden.

  • Suche nach genauen Wortgruppen: Begriffe in Anführungszeichen setzen
  • Wildcards: * steht für beliebige Zeichenkette und ? für beliebiges Zeichen

Einschränkungen

Abschliessend ist auf zwei spezifische Herausforderungen bei der Digitalisierung von Kinema hinzuweisen, vor deren Hintergrund die Resultate der Volltextsuche (bzw. Suchanfragen ohne Ergebnis) zu interpretieren sind. 
Erstens treten bei Kinema die üblichen Unzulänglichkeiten der automatischen Texterkennung akzentuiert in Erscheinung. Der Umstand, dass einige Ausgaben der Zeitschrift nur als Kopie in schlechter Qualität vorliegen, Kinema teilweise in Fraktur gesetzt ist, in der Zeitschrift (wie in der kinematografischen Gebrauchsgrafik der 1910er Jahre üblich) unterschiedlichste Schriftgrössen, Schrifttypen und Zierschriften verwendet wurden und manche Inserate über ein komplexes Layout verfügen, führt dazu, dass die Volltextsuche insbesondere bei Inseraten nicht immer zuverlässig funktioniert. 
Zweitens ist der digitalisierte Zeitschriftenbestand aus der Schweizerischen Nationalbibliothek lückenhaft. Die ersten beiden Jahrgänge der Zeitschrift sowie einige wenige Einzelnummern späterer Jahrgänge konnten bisher nicht ausfindig gemacht werden.

Als verschollen geltende Hefte/Heftteile:

  • 1911 / alle Hefte
  • 1912 / alle Hefte
  • 1913 / 1–9
  • 1914 / 15 (Heft ist möglicherweise gar nicht erschienen)
  • 1915 / 35, S. 6f.
  • 1915 / 38
  • 1916 / 2
  • 1917 / 36, Umschlag c?
  • 1917 / 38, Umschlag a?
  • 1917 / 42, Umschlag b, c, d
  • 1917 / 51, Umschlag b, S. 1
  • 1918 / 21 (Heft ist möglicherweise gar nicht erschienen)

Auf E-Periodica noch nicht zugängliche Hefte/Seiten:

Für Hinweise zu fehlenden Heften wären wir äusserst dankbar.

Kinema 1911–1919

Untertitel:

  • Internationales Zentral-Organ der gesamten Projektions-Industrie und verwandter Branchen / Organe hebdomadaire international de l’industrie cinématograpique (1911–1915)
  • Statutarisch anerkanntes obligatorisches Organ des «Verbandes der Interessenten im kinematographischen Gewerbe der Schweiz» / Organe reconnu obligatoire de «l'Union des Intéressés de la branche cinématographique de la Suisse» (1915–1917)
  • Statutarisch anerkanntes obligatorisches Organ des «Schweizerischen Lichtspieltheater-Verbandes» / Organe reconnu obligatoire de «l'Association Cinématographique Suisse» (1917–1919)

Herausgeber:

  • Georges Hipleh jr., Zürich (1911–1913)
  • Karl Graf, Buch- und Akzidenzdruckerei, Bülach (1913–1916)
  • Verlagsanstalt Emil Schäfer & Cie. A.-G., Zürich (1916)
  • «ESCO» A.-G., Publizitäts-, Verlags- und Handelsgesellschaft, Zürich (1917–1918)
  • Zeitungsgesellschaft A.-G., Zürich (1918–1919)

Redaktion: Georges Hipleh jr. Eugen Lenhoff, Emil Schäfer, Paul E. Eckel,
Ernst Utzinger, Leo Meyenburg, Edmond Bohy, O. Schneider, D. A. Lang

Erscheinungsweise: Wöchentlich

Format: Quart

Vgl. auch: Ernest Prodolliet, Die Filmpresse in der Schweiz, Bibliographie und Texte, Freiburg: Universitätsverlag 1975, S. 12, 22, 70–72.